SEO & Technik

Redirect-Strategie beim TYPO3-Relaunch — so vermeiden Sie SEO-Verluste

Der teuerste Fehler beim Relaunch passiert nicht im Design und nicht in der Technik, sondern in einer Tabelle, die niemand geführt hat: dem URL-Mapping. Wer alte Adressen nicht auf ihre neuen Ziele führt, verliert Rankings, Backlinks und Direktzugriffe — meist innerhalb weniger Tage nach dem Go-live, und die Erholung dauert Monate. Dieser Artikel beschreibt das Vorgehen in sechs Schritten, von der vollständigen URL-Erfassung bis zum Monitoring danach. Für IT-Verantwortliche und SEO-Teams, die einen TYPO3-Relaunch planen oder mittendrin stecken.

21.02.2026 · Patrick Schatzschneider · 5 Min. Lesezeit
Baustelle in der Abenddämmerung: Verkehr folgt einer markierten Umleitung, dahinter die aufgerissene alte Straße

Warum das geschäftskritisch ist

Ein Relaunch verändert fast immer die URL-Struktur — neue Hierarchien, andere Slugs, zusammengelegte Inhalte. Das ist normal. Kritisch wird es, wenn die alten Adressen ins Leere laufen:

  • 404-Fehler für alle, die über Bookmarks, externe Links oder Suchergebnisse kommen
  • Ranking-Verluste, weil Google die Verbindung zwischen alter und neuer Adresse verliert
  • Verlorene Backlinks — jeder externe Link auf eine tote URL ist verschenkte Autorität
  • Traffic-Einbruch, oft schon in den ersten Tagen sichtbar

Bei TYPO3 kommt Komplexität dazu: Multi-Site-Setups mit mehreren Domains, Sprach-Prefixes und Site-Konfigurationen, die das Routing beeinflussen. Je verschachtelter das Setup, desto weniger reicht Handarbeit.

301 oder 302 — die Entscheidung dauert zehn Sekunden

Ein 301 ist eine permanente Weiterleitung: Die alte Adresse wird dauerhaft ersetzt, Ranking-Signale und Backlink-Wert gehen auf die neue über.

Ein 302 ist temporär: Suchmaschinen behalten die alte URL im Index und übertragen keine Signale.

  • Seite existiert in neuer Form weiter → 301
  • Seite wird mit einer anderen zusammengelegt → 301 auf das Ziel
  • Seite entfällt ersatzlos → 301 auf die thematisch nächste Seite oder die Übersicht
  • Seite ist nur vorübergehend offline → 302
  • Sie sind unsicher → 301, im Relaunch-Kontext ist das fast immer richtig

Ein versehentlicher 302 beim Relaunch gehört zu den häufigsten und teuersten Fehlern: Google hält an der alten URL fest, die neue Seite rankt nicht, und der Fehler fällt oft erst nach Wochen auf.

Schritt 1 — Alle bestehenden URLs erfassen

Bevor Sie etwas weiterleiten, brauchen Sie eine vollständige Liste dessen, was existiert. „Vollständig" heißt: aus mehreren Quellen zusammengeführt, weil jede einzelne Lücken hat.

  • Crawl-Tool (Screaming Frog, Sitebulb): alle intern erreichbaren Adressen
  • Google Search Console: alle indexierten URLs — darunter solche, die kein Crawler findet
  • XML-Sitemap: als zusätzlicher Abgleich
  • Server-Logs: URLs mit echtem Traffic, die weder im Crawl noch in der Sitemap auftauchen

Der Klassiker unter den Übersehenen: Assets. PDFs, Bilder und Downloads, auf die extern verlinkt wird, stehen im Crawl, fallen beim Mapping aber regelmäßig hinten runter.

Schritt 2 — Das Mapping erstellen

Das Mapping ist das Herzstück. Es ordnet jeder alten Adresse ein neues Ziel zu — und es ist die Datei, die Sie in zwei Jahren noch brauchen werden.

Für die Zuordnung gibt es drei Wege: 1:1 ist am sichersten und am aufwendigsten. Pattern-basiert (/produkte/*/leistungen/*) ist effizient, aber fehleranfällig bei Ausnahmen. In der Praxis bewährt sich die Kombination.

Bei einem typischen Relaunch mit 300 bis 500 Seiten decken zehn bis fünfzehn Pattern-Regeln den Großteil ab. Die Seiten mit dem meisten Traffic und den meisten Backlinks prüfen Sie trotzdem einzeln — das sind selten mehr als zwanzig, und sie tragen den Löwenanteil des Werts.

Schritt 3 — In TYPO3 umsetzen

TYPO3 bringt seit v9 ein Redirect-Modul mit (EXT:redirects), zu finden unter *Site Management → Redirects*. Für die meisten Relaunches genügt das.

Wichtig zu wissen: Das Core-Modul kann keine CSV-Dateien importieren. Für den Massenimport brauchen Sie eine Extension wie georgringer/redirect-generator. Wer das erst am Go-live-Tag merkt, legt 400 Weiterleitungen von Hand an.

Der große Vorteil des Core-Moduls sind t3://-Ziele: Sie zeigen auf die Seiten-ID statt auf eine URL und bleiben deshalb gültig, auch wenn sich der Slug später erneut ändert.

Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit dem Core-Modul und nutzen Sie t3://-Ziele, wo immer es geht. Große, gleichförmige Muster gehören in die htaccess, weil sie dort vor TYPO3 greifen und keine Datenbankabfrage kosten. Zusätzliche Extensions erst, wenn ein konkreter Bedarf bleibt, den die Bordmittel nicht decken.

Schritt 4 — Vor dem Go-live testen

Redirects werden auf Staging getestet, nicht auf Production. Drei Methoden, aufsteigend nach Aufwand:

  • Stichprobe: die zwanzig wichtigsten Adressen manuell prüfen
  • Crawl gegen Staging: die alte URL-Liste als Import in Screaming Frog
  • Alte Sitemap als Prüfliste: jede Adresse daraus muss 200 oder 301 liefern — kein einziger 404

Prüfpunkte vor dem Go-live

  1. Jeder Redirect führt auf eine existierende Seite (200 oder 301, kein 404)
  2. Jede Weiterleitung erreicht ihr Ziel in einem Schritt — keine Ketten
  3. Keine Weiterleitungsschleifen (mit curl oder im Browser prüfen)
  4. Bei mehrsprachigen Seiten: jede Sprachvariante einzeln abgedeckt
  5. Assets berücksichtigt — PDFs, Bilder, Downloads
  6. Sitemap der alten Seite vollständig gegen Staging geprüft
  7. Redirect-Import getestet, nicht nur geplant (das Core-Modul kann kein CSV)
Redirect-Kette

Eine Redirect-Kette entsteht, wenn eine Adresse über mehrere Zwischenschritte zum Ziel führt (A → B → C). Jeder zusätzliche Schritt kostet Crawl-Budget und verzögert die Auslieferung. Ziel ist immer genau ein Sprung von der alten zur endgültigen Adresse.

Abgrenzung

Eine Weiterleitungsschleife ist der Sonderfall, bei dem die Kette auf sich selbst zurückführt (A → B → A). Sie macht die Seite unerreichbar und wird von Browsern nach wenigen Durchläufen abgebrochen.

Schritt 5 — Nach dem Go-live beobachten

Die ersten zwei Wochen entscheiden. Vier Dinge gehören in dieser Zeit auf einen täglichen Blick:

  • Search Console: Crawl-Fehler prüfen, neue 404er sofort nacharbeiten
  • 404-Monitoring oder Server-Logs: Welche Adressen werden aufgerufen und laufen ins Leere?
  • Sichtbarkeit: Rankings und Klicks in der Search Console beobachten — ein leichter Rückgang in den ersten Tagen ist normal, ein anhaltender nicht
  • Backlinks: Führen die wichtigsten externen Links korrekt weiter?

Nach etwa vier Wochen reicht ein wöchentlicher Blick. Was Sie in dieser Phase an 404ern finden, sind fast immer Adressen, die in keiner Ihrer Quellen standen — genau dafür ist das Monitoring da.

Mehrsprachige Setups

Mehrsprachigkeit vervielfacht nicht nur die Anzahl der Weiterleitungen, sondern auch die Fehlerquellen:

  • Sprach-Prefix vergessen: /en/old-page/ ist abgedeckt, /de/alte-seite/ nicht
  • hreflang zeigt auf alte Adressen: Die Weiterleitung stimmt, aber die Sprachauszeichnung verweist weiter aufs Alte
  • Routing überschreibt Weiterleitung: RouteEnhancer in der Site-Konfiguration können mit Redirects zusammenwirken — nach jeder Änderung an der Konfiguration erneut testen

Erstellen Sie das Mapping pro Sprache und prüfen Sie nach dem Go-live, ob die hreflang-Angaben auf die neuen Adressen zeigen. Wie das korrekt aussieht, steht im Artikel zu SEO in TYPO3.

Häufig gestellte Fragen

Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Google übernimmt die neue Adresse zwar nach einigen Wochen in den Index, aber externe Links und Bookmarks verschwinden nicht. Weiterleitungen kosten praktisch nichts — sie zu löschen bringt keinen Vorteil, kostet aber möglicherweise Besucher.

Nach heutigem Stand überträgt Google den Wert einer Seite bei einem 301 vollständig. Rankings schwanken nach einem Relaunch trotzdem — das liegt aber selten an der Weiterleitung selbst, sondern an geänderten Inhalten, neuer Struktur oder veränderter interner Verlinkung.

Auf die thematisch nächstliegende Seite weiterleiten, meist die zugehörige Übersicht. Eine Weiterleitung pauschal auf die Startseite ist die schlechteste Wahl: Google wertet das oft wie einen 404, und Besucher stehen ohne Bezug zum gesuchten Inhalt da.

Für die Verwaltung ja, für den Import nicht. Das Core-Modul kann keine CSV-Dateien einlesen — bei mehreren hundert Weiterleitungen brauchen Sie dafür eine Extension oder legen die großen Muster per htaccess an.

Jedes Crawl-Tool zeigt sie an, curl -I -L ebenfalls: Erscheinen zwei oder mehr 301-Antworten hintereinander, liegt eine Kette vor. Sie entstehen typischerweise, wenn nach einem früheren Relaunch weitergeleitet wurde und die neue Runde darauf aufsetzt, statt direkt aufs endgültige Ziel zu zeigen.

Wann sich Unterstützung lohnt

Ein Relaunch mit fünfzig Seiten und einer Sprache ist gut selbst zu stemmen. Anders sieht es aus, wenn:

  • mehrere hundert URLs oder mehrere Domains betroffen sind
  • das Projekt mehrsprachig ist und jede Sprache eigene Pfade hat
  • viele Backlinks auf einzelne Unterseiten zeigen, die Sie nicht verlieren dürfen
  • der Go-live-Termin steht und die URL-Liste noch nicht vollständig ist

Nächster Schritt

Relaunch geplant? Die URL-Liste gehört an den Anfang, nicht ans Ende.

Wir sehen uns Ihre bestehende URL-Struktur an, schätzen den Mapping-Aufwand und sagen, wo die Risiken liegen.

Lieber anrufen? 09075 5923957 Mo–Fr, 8–18 Uhr

Patrick Schatzschneider Patrick Schatzschneider Geschäftsführer
Redirects sind der billigste Teil eines Relaunchs — und der einzige, dessen Fehlen man an den Zahlen sieht.

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