10 Anzeichen, dass Ihre Website einen Relaunch braucht
„Alle drei bis fünf Jahre" ist die Standardantwort auf die Frage, wann eine Website erneuert gehört. Sie ist bequem und meistens falsch: Manche Auftritte tragen sieben Jahre, andere sind nach zwei Jahren nicht mehr zu retten. Das Alter sagt wenig — die Symptome sagen alles. Die folgenden zehn sind einzeln überprüfbar, viele davon in wenigen Minuten. Am Ende steht ein Schnelltest, der einordnet, ob gezielte Korrekturen reichen oder ein Relaunch ansteht. Geschrieben für Geschäftsführer und Marketingleiter, die vor dieser Entscheidung stehen.
1. Die Seite lädt länger als drei Sekunden
Laut Google verlassen 53 % der mobilen Nutzer eine Seite, die länger als drei Sekunden lädt. Der Zusammenhang ist nicht linear: Bei zwei Sekunden Ladezeit liegt die Absprungrate bei 9 %, bei fünf Sekunden bereits bei 38 %.
Schnelltest: Öffnen Sie Ihre Website auf dem Smartphone über Mobilfunk, nicht über WLAN. Wenn Sie bis drei zählen können, bevor Inhalte erscheinen, haben Sie das Problem gefunden.
2. Auf dem Smartphone sieht sie aus wie 2015
Rund 45 % des Web-Traffics in Deutschland kommen über Smartphones. Winzige Schrift, nicht treffbare Buttons oder horizontales Scrollen kosten Sie damit fast die Hälfte Ihrer Besucher, bevor die erste Zeile gelesen ist.
Google bewertet zudem nach dem Mobile-First-Prinzip: Über Ihr Ranking entscheidet die mobile Version, nicht die Desktop-Ansicht.
3. Inhalte lassen sich nicht selbst pflegen
Wenn jede Textänderung einen Anruf bei der Agentur braucht oder das Redaktionssystem so unübersichtlich ist, dass es im Team niemand freiwillig öffnet, ist das kein Komfortproblem. Es bedeutet, dass Ihre Website nur so aktuell ist, wie es Ihr Budget für Fremdleistung zulässt.
Dazu kommt das Sicherheitsthema: Ein CMS ohne Updates ist ein bekanntes Einfallstor — nicht theoretisch, sondern als Standardziel automatisierter Angriffe.
4. Google schickt weniger Besucher — und AI Overviews erklären warum
Sinkt der organische Traffic über Monate, sind die klassischen Ursachen veraltete Seitenstruktur, fehlende strukturierte Daten, schwache Core Web Vitals oder Inhalte, die an der Suchintention vorbeigehen.
Seit 2025 kommt ein Faktor dazu, der stärker wiegt als alle anderen. SISTRIX hat im Februar 2026 100 Millionen Keywords ausgewertet: Wo Google eine KI-Zusammenfassung anzeigt, fällt die Klickrate auf Position 1 von 27 % auf 11 % — ein Verlust von fast 60 %. Über den deutschen Markt summiert sich das auf 265 Millionen organische Klicks pro Monat.
Entscheidend für Sie ist aber die Verteilung: Im Schnitt gehen 6,6 % aller organischen Klicks verloren, in Gesundheitsthemen über 30 %, bei Elternportalen 24 % — Rezeptseiten dagegen verlieren rund 1 %, weil Google dort auf das Original verlinkt. Bevor Sie Ihren Traffic-Rückgang auf die eigene Website schieben, lohnt der Blick, wie stark AI Overviews in Ihrer Branche überhaupt ausgespielt werden.
5. Besucher kommen — aber niemand meldet sich
Traffic ohne Anfragen ist ein Laden voller Menschen, in dem niemand kauft. Wenn Ihre Website aufgerufen wird, aber keine Anfragen, Terminbuchungen oder Downloads entstehen, fehlt es an Handlungsaufforderung, an Vertrauen oder an beidem.
Typische Ursachen: kein sichtbarer nächster Schritt, zu weite Wege zum Formular, fehlende Referenzen — oder eine Seite, die informiert, ohne je zu einer Aussage zu kommen.
6. Das Design passt nicht mehr zum Unternehmen
Neues Logo, neue Leistungen, neue Positionierung — und die Website zeigt weiterhin die Version von vor fünf Jahren.
Wie stark das wiegt, hat das Stanford Web Credibility Project untersucht: In einer Studie mit 2.684 Teilnehmern bezogen sich 46,1 % aller Kommentare zur Glaubwürdigkeit einer Website auf deren Erscheinungsbild — häufiger als auf jedes andere Kriterium, einschließlich der Inhalte. Dazu kommt die Geschwindigkeit des Urteils: Innerhalb von etwa 50 Millisekunden bildet sich ein erster Eindruck. Lautet er „veraltet", arbeitet der Rest der Seite dagegen an.
7. Die Website ist nicht barrierefrei
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Unternehmen, die Verbrauchern digitale Dienstleistungen anbieten, müssen ihre Websites barrierefrei gestalten — bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro (§ 17 BFSG) sowie wettbewerbsrechtliche Abmahnungen.
Ausgenommen sind Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz; beide Bedingungen müssen zutreffen. Was das konkret für Sie bedeutet, steht im Artikel zum BFSG und seinen Folgen für Ihre Website.
8. Die Technik bremst
Veraltete Erweiterungen, ausbleibende Sicherheitsupdates, ein System am Ende seines Lebenszyklus — das sind keine technischen Schönheitsfehler, sondern offene Türen.
Ein verlässliches Signal: Wenn Sie eine Änderung wünschen und die Antwort lautet „das geht mit dem aktuellen System nicht", liegt es selten am Wunsch. Es liegt daran, dass die Plattform am Limit ist.
9. Sie kommen in KI-Antworten nicht vor
Gartner prognostizierte im Februar 2024, das traditionelle Suchvolumen werde bis Ende 2026 um 25 % zurückgehen, weil Nutzer Antworten direkt von KI-Systemen erhalten. Ob diese Zahl am Jahresende exakt zutrifft, ist offen — die Richtung bestätigen die SISTRIX-Daten oben eindeutig.
Für Ihre Website folgt daraus etwas Konkretes: Sie muss als Quelle zitierfähig sein. Das heißt klare Definitionen, beantwortete Fragen, strukturierte Daten und Inhalte mit eigener Substanz. Was nur zusammenfasst, was ohnehin überall steht, wird von der KI-Antwort ersetzt statt zitiert.
10. Sie zögern, die Adresse zu nennen
Der ehrlichste Test kommt ohne Werkzeug aus: Würden Sie Ihre Website im Gespräch mit einem Wunschkunden von sich aus aufrufen? Oder hoffen Sie, dass niemand genauer hinsieht?
Wer zögert, die eigene Adresse auf die Visitenkarte zu drucken, hat die Frage nach dem Relaunch für sich längst beantwortet.
Redesign oder Relaunch — und wann keins von beidem
Nicht jedes Anzeichen führt zum Relaunch. Ein Redesign ändert das Erscheinungsbild, ein Relaunch zusätzlich Technik, Struktur und Inhalte. Treffen vor allem die Punkte 6 und 10 zu, während Technik, Ladezeit und Pflegbarkeit in Ordnung sind, reicht meist das Redesign — zu deutlich geringeren Kosten.
Genau deshalb steht am Anfang unserer Zusammenarbeit ein Ampel-Report und kein Angebotskatalog: Er sagt, was in Ordnung ist, was Risiko trägt und was zuerst passieren muss. Wenn Ihr System noch drei Jahre trägt, steht das darin — auch wenn ein Relaunch für uns das bessere Geschäft wäre.
Wie sich die Kosten zusammensetzen, welche Bandbreiten marktüblich sind und welche Posten nach dem Go-Live weiterlaufen, steht ausführlich im Guide zu Website-Relaunch-Kosten.
Häufig gestellte Fragen
Mit einer sauberen Redirect-Strategie bleiben Rankings weitgehend erhalten: Jede alte URL wird per 301 auf ihr neues Ziel geführt. Ohne dieses Mapping verlieren Sie den aufgebauten Wert Ihrer Seiten — und zwar dauerhaft, weil Suchmaschinen tote Adressen aus dem Index nehmen. Die Redirect-Planung gehört deshalb in die Konzeptionsphase, nicht in die Woche vor dem Go-Live.
Marktüblich schaffen kleine Projekte 4–8 Wochen, mittelgroße 2–4 Monate, komplexe Vorhaben mit Mehrsprachigkeit und Systemintegrationen 4–8 Monate. Der häufigste Zeitfresser ist nicht die Technik, sondern die Content-Erstellung. Unsere eigene Projektdauer steht im Preisblock weiter oben.
Ein Redesign ändert Farben, Schriften und Layout — die technische Basis bleibt. Ein Relaunch umfasst zusätzlich Technik, Struktur und Inhalte. Faustregel: Betreffen Ihre Probleme das Aussehen, reicht ein Redesign. Betreffen sie Ladezeit, Pflegbarkeit, Sicherheit oder Auffindbarkeit, hilft nur der Relaunch — ein neues Layout auf altem Fundament verschiebt die Kosten nur nach hinten.
Ein fester Rhythmus führt in die Irre. Sinnvoller ist eine jährliche Prüfung anhand der zehn Anzeichen oben: Solange keines zutrifft, gibt es keinen Grund. Häufen sie sich, ist der Zeitpunkt da — unabhängig davon, ob die Website zwei oder sieben Jahre alt ist.
Suchen Sie Ihre wichtigsten Themen bei Google und sehen Sie nach, ob eine KI-Zusammenfassung erscheint und wer darin verlinkt wird. Erscheinen dort durchgehend andere Quellen, fehlt Ihren Inhalten die Zitierfähigkeit: eindeutige Definitionen, klar beantwortete Fragen, strukturierte Daten. Wie stark Sie das trifft, hängt an der Branche — die Klickverluste reichen von etwa 1 % bis über 30 %.
Wann sich ein Erstgespräch lohnt
Nicht jeder Relaunch braucht eine Agentur. Wenn Sie intern jemanden mit Zeit und Erfahrung haben und die Technik trägt, kommen Sie ohne uns aus. Sinnvoll wird das Gespräch, wenn mehreres davon zutrifft:
- Sie wissen, dass die Website veraltet ist — aber nicht, wo Sie anfangen sollen
- Ihr Team hat keine Kapazität für ein Website-Projekt
- Sie brauchen eine belastbare Einschätzung, ob ein Redesign reicht
- Barrierefreiheit, Sichtbarkeit oder technische Schulden überfordern die eigenen Möglichkeiten