Relaunch & Budget

WordPress oder TYPO3? Welches CMS zu Ihrem Unternehmen passt

Die Frage „WordPress oder TYPO3?" hat keine allgemeine Antwort, aber eine für Ihr Projekt — und die hängt an drei Dingen: wie viele Sprachen Sie brauchen, wie viele Menschen redaktionell arbeiten und wie lange das System halten soll. Alles andere ist nachgelagert. Dieser Guide liefert die Entscheidungsgrundlage: aktuelle Marktzahlen, eine Kostenrechnung über fünf Jahre, fünf typische Szenarien mit klarer Empfehlung und die Fehler, die wir bei CMS-Entscheidungen immer wieder sehen. Für Geschäftsführer, IT-Leitung und Marketingverantwortliche, die vor einem Relaunch oder einer Migration stehen.

09.04.2026 · Patrick Schatzschneider · 1 Min. Lesezeit
Zwei unterschiedliche Tastaturen nebeneinander auf einem Schreibtisch im Vergleich
WordPress

WordPress ist ein Open-Source-CMS, das 41,1 % aller Websites weltweit betreibt und damit einen CMS-Marktanteil von 59,1 % hält (W3Techs, Stand 10.08.2026). Gestartet 2003 als Blogging-Plattform, ist es heute das meistgenutzte Redaktionssystem der Welt. Stärken sind die große Community, ein sehr breites Plugin-Angebot und eine niedrige Einstiegshürde für Redakteure.

Abgrenzung

WordPress.org (selbst gehostet, Open Source) ist nicht dasselbe wie WordPress.com (gehosteter Dienst mit Einschränkungen). Dieser Artikel meint durchgehend WordPress.org.

TYPO3

TYPO3 ist ein Open-Source-CMS mit 0,4 % Anteil an allen Websites weltweit (W3Techs, Stand 10.08.2026), das im DACH-Raum deutlich stärker vertreten ist als global. Es wurde für mehrsprachige, strukturierte Unternehmenswebsites entwickelt und bietet native Multi-Site-Verwaltung, granulare Rechte und ein LTS-Modell mit langen Supportzeiträumen. Aktuell ist TYPO3 v14 LTS (April 2026).

Abgrenzung

Der kleine globale Marktanteil sagt wenig über die Eignung: TYPO3 ist bei Behörden, Hochschulen und im deutschen Mittelstand verbreitet, während es außerhalb Europas kaum vorkommt. Wer international nach Marktanteilen entscheidet, vergleicht die falsche Kennzahl.

Die zehn Kriterien, die tatsächlich entscheiden

Nicht jedes Unterscheidungsmerkmal ist relevant. Diese zehn tauchen in fast jeder Entscheidung auf.

WordPress und TYPO3 im direkten Vergleich

KriteriumWordPressTYPO3
Marktanteil weltweit41,1 % aller Websites0,4 % aller Websites
Einstiegshürde RedaktionNiedrig — nach Stunden produktivMittel — ein bis zwei Tage Schulung
MehrsprachigkeitPlugin nötig (WPML, Polylang Pro, je ~99 €/Jahr)Nativ im Core, Übersetzungs-Workflows im Rechtesystem
Multi-SiteMultisite mit geteilter CodebasisNativ, unabhängige Seitenbäume und Domains
Rechte & Rollen5 Standardrollen, per Plugin erweiterbarGranular pro Seite, Feld und Inhaltselement
BarrierefreiheitTheme- und Plugin-abhängigBackend nativ auf WCAG-Niveau, barrierefreies Basis-Theme
ÖkosystemSehr großes Plugin-Angebot, breite EntwicklerbasisKleineres, kuratiertes Extension-Ökosystem im DACH-Raum
SicherheitsprofilCore solide, 91 % der Lücken in PluginsKleineres Ökosystem, koordinierter Disclosure-Prozess
VersionsmodellRolling Release ohne LTSLTS mit zugesagtem Support-Zeitraum, ELTS darüber hinaus
Agenturmarkt (DE)Sehr groß, breites PreisspektrumKleiner, spezialisierter

Bedienbarkeit — wie Redaktionen tatsächlich arbeiten

Über Erfolg oder Scheitern entscheidet, ob das System im Alltag benutzt wird.

WordPress setzt auf den Block Editor. Inhalte entstehen aus Blöcken — Text, Bild, Spalten, Button. Das Prinzip ist intuitiv, die Lernkurve flach, die meisten Redakteure sind nach wenigen Stunden produktiv. Der Preis dafür ist gestalterische Freiheit, die auch gegen Sie arbeiten kann: Wo alles möglich ist, driftet das Layout über die Jahre auseinander.

TYPO3 arbeitet mit definierten Inhaltselementen und festen Feldern. Das gibt weniger Freiheit im Editor und mehr Konsistenz im Ergebnis. Die Einarbeitung dauert länger, aber Fehler passieren seltener, weil das System Leitplanken setzt.

Unsere Einschätzung: Kleine Teams, die schnell publizieren wollen, fahren mit WordPress angenehmer. Größere Redaktionen mit Style Guide und Freigabeprozessen gewinnen mit TYPO3 — nicht weil es schöner ist, sondern weil es Disziplin erzwingt, die sonst niemand durchsetzt.

Kosten über fünf Jahre — nicht über fünf Wochen

Der häufigste Fehler in CMS-Vergleichen ist der Blick auf die Erstinvestition. Die Entscheidung fällt aber über die Nutzungsdauer: Hosting, Wartung, Lizenzen, Schulung, Weiterentwicklung.

Die folgende Rechnung beschreibt ein konkretes Profil — B2B-Corporate-Website, rund 50 Seiten, drei Sprachen. Es sind marktübliche Bandbreiten, kein Angebot.

Beispielrechnung: 50 Seiten, drei Sprachen

KostenpositionWordPressTYPO3
Erstinvestition25.000–60.000 €40.000–90.000 €
Hosting pro Jahr1.200–3.600 €1.800–4.800 €
Wartung und Updates pro Jahr2.400–6.000 €4.000–9.000 €
Lizenzen pro Jahr500–2.000 € (WPML, SEO, Security)0–500 €
Schulung einmalig500–1.500 €1.500–3.000 €
Gesamt über 3 Jahre37.000–85.000 €57.000–120.000 €
Gesamt über 5 Jahre47.000–110.000 €69.000–145.000 €

WordPress ist bei vergleichbarem Umfang günstiger — und „vergleichbarer Umfang" ist der Haken. Sobald native Mehrsprachigkeit, granulare Rechte oder Multi-Site dazukommen, wandern die Kosten bei WordPress in Plugins, Konfiguration und Wartung. Dann schrumpft der Abstand, manchmal kehrt er sich um.

Bei den Stundensätzen liegen TYPO3-Entwickler in Deutschland marktüblich etwa 15–25 % über WordPress-Entwicklern: kleinerer Talentpool, höhere Spezialisierung.

Sicherheit — Zahlen statt Mythen

„WordPress ist unsicher" hält sich hartnäckig und ist so pauschal falsch.

Der WordPress-Core ist solide. Das Risiko liegt in der Breite des Ökosystems: Patchstack registrierte 2025 im WordPress-Umfeld 11.334 Schwachstellen — 42 % mehr als im Vorjahr. 91 % davon in Plugins, 9 % in Themes, kaum etwas im Core.

Die aufschlussreichere Zahl betrifft nicht die Menge, sondern die Wartungslage: Bei 46 % war die Lücke zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch offen, und laut Patchstack war rund der Hälfte der betroffenen Projekte das Problem vorher bekannt. Das ist weniger eine Frage von Sorgfalt als von Kapazität — ein großer Teil der Plugins entsteht in Nebenprojekten ohne Wartungsbudget. Für Sie als Betreiber ändert das nichts am Ergebnis: Jedes Plugin ist eine Abhängigkeit, deren Pflege Sie nicht steuern.

TYPO3 profitiert vom kleineren, kuratierten Extension-Ökosystem und einem koordinierten Disclosure-Prozess. Kritische Lücken bleiben typischerweise im einstelligen Bereich pro Jahr. Der geringe Marktanteil hilft zusätzlich: Automatisierte Angriffe zielen dorthin, wo die Masse steht.

Für beide Systeme gilt dieselbe Konsequenz: Sicherheit ist kein Produktmerkmal, sondern ein Prozess. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität der Systeme, sondern im Pflegeaufwand, der für dasselbe Sicherheitsniveau nötig ist — und der wächst mit der Anzahl der eingesetzten Erweiterungen.

Mehrsprachigkeit und Multi-Site

Für international tätige Unternehmen entscheidet dieser Punkt oft allein.

WordPress braucht dafür Plugins, etabliert sind WPML und Polylang Pro (je rund 99 € im Jahr). Beide funktionieren, bringen aber die üblichen Abhängigkeiten mit: Plugin-Updates können Kompatibilitäten brechen, und das Zusammenspiel mit SEO- oder Formular-Plugins will konfiguriert werden.

TYPO3 hat Mehrsprachigkeit im Kern. Übersetzungen hängen auf Feldebene zusammen, Fallbacks sind konfigurierbar, der Übersetzungsablauf ist Teil des Rechtesystems. Ab drei Sprachen macht das im laufenden Betrieb einen spürbaren Unterschied.

Bei Multi-Site teilt WordPress eine Codebasis über alle Sites — wartungsarm, aber die Sites bleiben aneinandergekettet. TYPO3 verwaltet mehrere Auftritte mit getrennten Seitenbäumen, eigenen Domains und eigener Konfiguration in einer Installation.

Barrierefreiheit und BFSG

Seit Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz viele Unternehmen zu barrierefreien digitalen Angeboten. Die CMS-Wahl entscheidet nicht darüber, ob Sie das schaffen — aber darüber, wie mühsam es wird.

TYPO3 liefert ein Backend, das selbst barrierefrei bedienbar ist, und ein barrierefreies Basis-Theme als Ausgangspunkt. Inhaltselemente lassen sich so konfigurieren, dass Pflichtangaben wie Alt-Texte erzwungen werden — das nimmt die Frage aus der Redaktionsdisziplin heraus.

WordPress hängt an Theme und Plugins. Es gibt gute barrierefreie Themes, aber die Qualität schwankt erheblich, und jedes Plugin kann eigene Barrieren einbauen.

Kein CMS macht eine Website automatisch barrierefrei. TYPO3 gibt Ihnen mehr Werkzeuge, es strukturell durchzusetzen. Was das Gesetz konkret verlangt, steht im Artikel zum BFSG.

Fünf Szenarien mit klarer Empfehlung

1. Handwerksbetrieb, 10–15 Seiten, eine SpracheWordPress. Schnell, günstig, keine Schulung nötig. TYPO3 wäre hier überdimensioniert, und wir würden es Ihnen auch nicht anbieten.

2. B2B-Mittelstand, 50–100 Seiten, 2–3 Sprachen, eigenes KarriereportalTYPO3. Native Mehrsprachigkeit, strukturierte Inhalte, getrennte Rechte für Marketing, HR und Presse. Die höhere Erstinvestition holt sich über die Betriebskosten zurück.

3. Startup mit Content-Marketing als KernWordPress. Schnell live, riesiges Ökosystem für SEO, Newsletter und Analytics, Redaktion kann eigenständig experimentieren. Geschwindigkeit schlägt hier Struktur.

4. Behörde oder Klinik, Barrierefreiheit verpflichtend, vier oder mehr SprachenTYPO3. Barrierefreiheit lässt sich strukturell erzwingen, Mehrsprachigkeit skaliert, und das Rechtesystem bildet echte Freigabeprozesse ab.

5. Konzern mit zehn Länderseiten und zentralem Brand ManagementTYPO3. Multi-Site aus einer Installation, zentrale Templates mit lokaler Anpassung, planbare Supportzeiträume für internationale Rollouts.

Fünf Fehler, die wir immer wieder sehen

1. Entscheidung nach Bauchgefühl. „Unser Entwickler kennt WordPress" ist kein Argument für eine Fünf-Jahres-Entscheidung. Erst das Anforderungsprofil, dann die Systemwahl.

2. Nur die Erstinvestition vergleichen. Rechnen Sie über mindestens drei Jahre, besser fünf. Der günstigere Start ist regelmäßig nicht das günstigere Projekt.

3. Agenturempfehlungen ungeprüft übernehmen. Jede Agentur empfiehlt, was sie am besten kann — wir eingeschlossen. Fragen Sie nach Gründen, die sich auf *Ihr* Projekt beziehen. Wer keine nennen kann, hat keine.

4. Barrierefreiheit später einplanen. Das BFSG gilt. Nachträglich eingebaut kostet dieselbe Arbeit ein Vielfaches.

5. Kein Exit-Szenario denken. Was passiert, wenn Sie in fünf Jahren wechseln wollen? Wie kommen Ihre Inhalte heraus? Ein System, in dem Inhalte über zwanzig Plugins verstreut sind, wird zur Falle — unabhängig vom Logo darauf.

Ob bei Ihnen überhaupt ein Wechsel ansteht, klärt die Liste der zehn Anzeichen für einen Relaunch.

Checkliste — CMS-Entscheidung vorbereiten

  1. Anforderungsprofil erstellen: Wie viele Sprachen, Seiten, Redakteure, Standorte?
  2. Content-Modell definieren: strukturierte Inhaltstypen oder freie Gestaltung?
  3. Rechte und Rollen klären: Wer darf bearbeiten, wer freigeben, wer veröffentlichen?
  4. BFSG-Betroffenheit prüfen: Bieten Sie Verbrauchern digitale Dienstleistungen an?
  5. Budget über drei bis fünf Jahre rechnen, nicht nur die Erstinvestition
  6. Bestehendes System bewerten: Was trägt, was nicht? Migration oder Neubau?
  7. Agenturmarkt sondieren: Stundensätze, Referenzen mit vergleichbarem Umfang
  8. Hosting-Anforderungen klären: Managed, eigener Server, Cloud?
  9. Wartungsmodell festlegen: Wer macht Updates, Security, Monitoring — verbindlich?
  10. Entscheidung schriftlich begründen, damit sie in drei Jahren noch nachvollziehbar ist

Häufig gestellte Fragen

WordPress hat die niedrigeren Einstiegskosten. Für ein vergleichbares B2B-Projekt mit 50 Seiten und drei Sprachen liegen die Gesamtkosten über drei Jahre marktüblich bei 37.000–85.000 € (WordPress) gegenüber 57.000–120.000 € (TYPO3). Der Abstand schrumpft, je mehr Funktionen bei WordPress über Plugins nachgebaut werden müssen, die TYPO3 mitbringt. Entscheidend ist nicht der günstigste Start, sondern die Summe über die Nutzungsdauer.

Nein, aber für kleine Projekte ist es überdimensioniert. Bei einer einsprachigen Website mit 15 Seiten ist WordPress die pragmatischere Wahl. TYPO3 spielt seine Stärken erst aus, wenn Mehrsprachigkeit, mehrere Redaktionsrollen oder Multi-Site dazukommen.

Der Core ist solide; das Risiko liegt in der Breite des Plugin-Ökosystems. Patchstack zählte 2025 im WordPress-Umfeld 11.334 Schwachstellen, 91 % davon in Plugins. Praktisch bedeutet das: wenige und aktiv gepflegte Plugins einsetzen, konsequent aktualisieren, Monitoring betreiben. Wer diese Pflege nicht dauerhaft sicherstellen kann, fährt mit einem kleineren Ökosystem ruhiger.

Ja, aber ein CMS-Wechsel ist faktisch ein Relaunch. Inhalte lassen sich migrieren, Templates, Erweiterungen und Individualisierungen müssen neu gebaut werden. Planen Sie Budget und Zeit wie für ein neues Projekt. Der Wechsel lohnt sich, wenn das bestehende System die Anforderungen nachweislich nicht mehr trägt — nicht, weil das andere moderner klingt.

Beide sind uneingeschränkt SEO-tauglich. WordPress macht den Einstieg über Plugins wie Yoast oder Rank Math leichter, TYPO3 bringt dieselben Funktionen über Core und Extensions mit, verlangt aber mehr Erstkonfiguration. Über die Sichtbarkeit entscheiden Inhalte und technische Sauberkeit, nicht das Logo im Backend.

Bei beiden Systemen gehört Ihnen der Code. Der Agenturwechsel ist bei WordPress einfacher, weil der Markt größer ist; bei TYPO3 ist er kleiner, aber spezialisierter. Wichtiger als das System sind die Rahmenbedingungen: saubere Dokumentation, Composer-basiertes Setup und der Zugang zu allen Konten und Repositories. Lassen Sie sich das vertraglich zusichern.

Wenn Sie feste Wartungsfenster und Budgetzyklen haben, ja — dann ist planbarer Support bares Geld wert. Wer sein System ohnehin kontinuierlich betreuen lässt, kommt auch mit einem Rolling-Release-Modell zurecht. Die Frage ist nicht technisch, sondern organisatorisch.

Wann sich eine Zweitmeinung lohnt

Die CMS-Entscheidung können Sie oft intern treffen, wenn die Anforderungen klar sind. Externe Hilfe lohnt sich, wenn:

  • die Anforderungen aus IT und Marketing sich widersprechen
  • mehr als drei Sprachen oder mehrere Standorte im Spiel sind
  • Sie BFSG-Konformität nachweisen müssen und den Ist-Stand nicht kennen
  • Ihr aktuelles System in weniger als zwölf Monaten aus dem Support fällt
  • Sie eine dokumentierte Entscheidungsvorlage für die Geschäftsführung brauchen
  • Angebote mehrerer Agenturen vorliegen und Sie eine unabhängige Einordnung wollen

Nächster Schritt

CMS-Entscheidung steht an? Wir sagen auch, wenn es WordPress ist.

Wir sehen uns Ihre Anforderungen an, vergleichen die Optionen und geben eine begründete Empfehlung — schriftlich, damit Sie sie intern vorlegen können.

Lieber anrufen? 09075 5923957 Mo–Fr, 8–18 Uhr

Patrick Schatzschneider Patrick Schatzschneider Geschäftsführer
Wenn WordPress zu Ihrem Vorhaben besser passt, sagen wir das — auch wenn wir das Projekt damit nicht bekommen.

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