GEO-KPIs: So messen Sie Ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten

Patrick Schatzschneider Erschienen 7 Min. Lesezeit
Hand mit Stoppuhr über einem Notizbuch mit Strichlisten in einem leeren, sonnigen Besprechungsraum
Kurz gesagt

Sichtbarkeit in KI-Antworten messen Sie mit einem festen Prompt-Set, das Sie regelmäßig in mehreren KI-Systemen abfragen, und mit sechs Kennzahlen: Abdeckung, Nennungsquote, Empfehlungsquote, Quellenquote, Anbieter-Anteil und Stabilität. Dazu kommen Besuche aus KI-Antworten und Zugriffe von KI-Crawlern als Frühindikatoren. Keine dieser Zahlen taugt allein, und eine einzelne Messung zeigt mehr Zufall als Trend.

Das wissen wir aus eigener Messung. KI-Systeme haben unsere Website vibe-digital.de in zwei Läufen in keiner einzigen Antwort beim Namen genannt, aber in 11 Antworten als Quelle verlinkt. Hätten wir nur die Nennung gezählt, hätten wir uns für unsichtbar gehalten. Hätten wir nur den Anstieg der Verlinkungen gezählt, hätten wir einen Erfolg gefeiert, den es so nicht gibt.

GEO-KPI

Eine GEO-KPI ist eine Kennzahl, die misst, ob und wie KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity oder Googles AI Overviews eine Marke in ihren Antworten nennen, empfehlen oder als Quelle verlinken. Ziel ist eine Zahl, die sich über Systeme und Zeitpunkte vergleichen lässt.

Abgrenzung

Klassische SEO-KPIs messen Positionen und Klicks in der Trefferliste. In einer KI-Antwort gibt es keine Position, und viele Leser klicken gar nicht. GEO-KPIs kommen deshalb zu den SEO-KPIs hinzu, sie ersetzen sie nicht.

Warum Rankings und Klicks nicht mehr reichen

Wer eine KI-Zusammenfassung liest, klickt seltener. Das Pew Research Center hat das Surfverhalten von 900 Erwachsenen in den USA im März 2025 aufgezeichnet und im Juli 2025 ausgewertet veröffentlicht: Auf Google-Ergebnisseiten mit KI-Zusammenfassung klickten Nutzer bei 8 % der Besuche auf einen klassischen Treffer, ohne Zusammenfassung bei 15 %. Einen Link in der Zusammenfassung selbst klickten sie nur bei 1 % der Besuche.

Für Sie heißt das: Eine gute Position kann weniger Besucher bringen als früher, und ob Ihr Name in der Antwort darüber stand, sehen Sie in keinem Ranking-Tool. Die Search Console hilft nur zum Teil. Klicks aus AI Overviews und AI Mode zählt Google laut eigener Dokumentation im normalen Suchtyp „Web“ mit. Der eigene Bericht für generative KI-Funktionen, seit 2026 verfügbar, zeigt Impressionen, aber keine Klicks.

Unser Messaufbau: zwei Läufe, gleiche Fragen

Alle Werte in diesem Artikel stammen aus zwei Messläufen für vibe-digital.de mit dem Werkzeug OpenSEO AI Visibility, Daten über DataForSEO.

  • Prompts: 15 Fragen in fünf Themenfeldern, so formuliert, wie ein Entscheider sie stellen würde. Jede gehört zu einer Seite, die wir tatsächlich verbessern können.
  • Systeme: ChatGPT, Gemini, Google AI Overviews, Claude und Perplexity
  • Markt und Sprache: Deutschland, Deutsch
  • Zeitpunkte: 21. Oktober 2026 und 29. Oktober 2026, je ein Lauf mit 75 Abrufen
  • Kosten: 3,48 US-Dollar je Lauf laut Kostenschätzung des Werkzeugs

Zwischen den beiden Läufen ging eine Änderung live: Am 26. Oktober 2026 haben wir in der robots.txt den Such-Crawler Claude-SearchBot ausdrücklich aufgeführt und den Namen anthropic-ai gestrichen, den Anthropic nicht als Crawler nennt. An den Crawl-Rechten änderte das nichts: Beide fallen sonst unter die allgemeine Regel, die das Crawlen erlaubt. Die llms.txt war bereits vor dem ersten Lauf live. Außerdem sind zwischen den Läufen neue Blogartikel erschienen.

Die sechs GEO-KPIs mit Formel

Jede Kennzahl bezieht sich auf beantwortete Abrufe, also auf Antworten, die tatsächlich vorliegen. Darum steht die Abdeckung an erster Stelle: Ohne sie wissen Sie nicht, worauf sich die anderen Werte beziehen.

GEO-KPIs: Formel und unsere Werte

KPIFormel21.10.202629.10.2026
Abdeckungbeantwortete Abrufe ÷ geplante Abrufe54 von 75 (72 %)72 von 75 (96 %)
NennungsquoteAntworten mit Ihrem Namen ÷ beantwortete Abrufe0 von 540 von 72
EmpfehlungsquoteAntworten, die Sie als Anbieter empfehlen ÷ beantwortete Abrufe00
QuellenquoteAntworten mit Link auf Ihre Domain ÷ beantwortete Abrufe3 von 54 (6 %)8 von 72 (11 %)
Anbieter-AnteilAntworten, die Sie nennen ÷ Antworten, die überhaupt einen Anbieter nennen0 von 220 von 27
StabilitätPaare, die in beiden Läufen verlinken ÷ Paare, die in mindestens einem Lauf verlinken und in beiden beantwortet wurden–1 von 8

Abdeckung: die Kennzahl, die alle anderen einordnet

Im ersten Lauf sind 21 von 75 Abrufen beim Datenanbieter gescheitert, im zweiten keiner. Drei Abfragen bei Google lieferten im zweiten Lauf eine Ergebnisseite ohne AI Overview. Das ist kein Fehler, sondern ein Ergebnis: Für diese Fragen zeigte Google am 29. Oktober keine KI-Antwort. Für eine davon gab es am 21. Oktober noch eine, die beiden anderen waren dort gescheitert.

Wer die Abdeckung nicht mitberichtet, vergleicht verschiedene Grundgesamtheiten. Unsere Verlinkungen stiegen von 3 auf 8. Vergleicht man nur die 53 Prompt-System-Paare, die in beiden Läufen beantwortet wurden, sind es 3 und 6.

Nennung, Empfehlung und Quelle getrennt zählen

Die Nennungsquote zählt, ob Ihr Name im Antworttext steht. Die Empfehlungsquote ist die strengere Teilmenge: Die KI schlägt Sie als Anbieter vor, statt Sie nur zu erwähnen. Die Quellenquote zählt, ob die Antwort auf Ihre Website verlinkt.

Bei uns war die Quellenquote die einzige dieser drei Kennzahlen über null: Nennung und Empfehlung lagen in beiden Läufen bei null, verlinkt wurden wir trotzdem. Im ersten Lauf übernahm Gemini bei der Frage nach den Kosten eines TYPO3-Relaunchs die Preisstufen von unserer Preisseite und verlinkte sie als Beleg, ohne unseren Namen zu nennen. Unsere Inhalte werden gelesen, als Anbieter kommen wir nicht vor. Genau diese Lücke zeigt nur, wer beide Werte getrennt erhebt.

Anbieter-Anteil: Wettbewerber auszählen, nicht vorgeben

Der Anbieter-Anteil zeigt, wie oft andere genannt werden, wenn überhaupt jemand genannt wird. Wir zählen die Namen aus den Antworten aus, statt eine Wettbewerberliste vorzugeben. Mit einer Liste findet man nur, wen man schon kennt.

Im zweiten Lauf nennen 27 von 72 Antworten mindestens einen Anbieter, zusammen 101 verschiedene. Der am häufigsten genannte Anbieter steht in 10 Antworten, und zwar in allen fünf Systemen. Im ersten Lauf lag der Spitzenwert bei 6 Antworten. Dort haben wir einen Teil der Antworten per Suchmuster statt vollständig ausgezählt, die Zahlen der beiden Läufe sind deshalb nur grob vergleichbar. Eine Rangliste ist das nicht: Bei 27 Antworten mit Anbieternamen verschiebt ein einzelner Treffer den Anteil um fast vier Prozentpunkte.

Stabilität: warum eine Messung nicht reicht

In beiden Läufen zusammen verlinkten 11 Antworten auf unsere Website, verteilt auf 10 Kombinationen aus Prompt und KI-System. Zwei davon waren im ersten Lauf gescheitert, für sie fehlt der Vergleich. Von den übrigen acht war nur eine in beiden Läufen verlinkt: Claude zur Frage „Was kostet ein TYPO3-Relaunch?“, beide Male mit Link auf unsere Preisseite. Die anderen sieben verlinkten nur in einem der beiden Läufe.

Wer aus einem einzelnen Lauf einen Trend liest, misst den Zufall.

Ergänzende Kennzahlen: KI-Besuche und Crawler-Zugriffe

Besuche aus KI-Antworten zeigen, ob aus einer Verlinkung ein Besuch wird. Google Analytics 4 führt dafür seit Mai 2026 den Kanal „AI Assistant“ in der Standard-Kanalgruppe. Plausible fasst Besuche von ChatGPT, Claude, Perplexity, Gemini und Copilot im Kanal „AI Assistants“ zusammen.

Zugriffe von KI-Crawlern im Server-Log sind ein Frühindikator, kein Erfolgsnachweis. Sie zeigen, ob ein System Ihre Seiten überhaupt liest. Wichtig ist die Unterscheidung nach Zweck: Trainings-Crawler wie GPTBot oder ClaudeBot sagen nichts über Sichtbarkeit. Such-Crawler wie OAI-SearchBot, Claude-SearchBot oder PerplexityBot bauen den Suchindex der KI-Systeme auf. Abruf-Agenten wie ChatGPT-User, Claude-User oder Perplexity-User kommen, wenn eine konkrete Nutzerfrage Ihre Seite braucht.

KI-Crawler im Access-Log zählen

bash
grep -Eio 'GPTBot|OAI-SearchBot|ChatGPT-User|ClaudeBot|Claude-SearchBot|Claude-User|PerplexityBot|Perplexity-User' access.log \
  | sort | uniq -c | sort -rn
Zugriffe je KI-Crawler zählen; access.log durch den Pfad zu Ihrem Log ersetzen

Was (noch) keine KPI ist

Tonalität der Antworten, also ob eine KI freundlich oder kritisch über Sie spricht, ist für die meisten Mittelständler noch keine sinnvolle Kennzahl. Solange die Nennungsquote nahe null liegt, gibt es nichts, dessen Ton man bewerten könnte.

Ranglisten gegen Wettbewerber als Index sind bei kleinen Stichproben vor allem Rauschen: Bei 27 Antworten mit Anbieternamen verschiebt ein einzelner Treffer den Anteil um fast vier Prozentpunkte. Branded Search und Direktzugriffe können steigen, wenn KI-Systeme Sie öfter nennen. Zuordnen lassen sie sich aber nicht, weil Werbung, Messen und Empfehlungen dieselben Zahlen bewegen.

Stolpersteine beim GEO-Reporting

Prompts ohne eigene Seite. Wer Fragen misst, zu denen er keine Seite hat, kann den Wert nicht verbessern und verwässert die Kennzahl. Prüfpunkt: Ordnen Sie jedem Prompt die Seite zu, die ihn beantworten soll.

Werkzeug-Historie als einziges Archiv. Viele GEO-Werkzeuge halten Messergebnisse nur begrenzt vor. Prüfpunkt: Exportieren Sie jeden Lauf mit Datum und Rohdaten. Wir legen sie im Projekt-Repository ab, damit der Verlauf nicht mit dem Werkzeug verschwindet.

Checkliste: GEO-Reporting in fünf Schritten

  1. Legen Sie 10 bis 20 Prompts fest, jeder mit einer eigenen Seite als Ziel.
  2. Fragen Sie dieselben Prompts in mindestens drei KI-Systemen ab, im Markt und in der Sprache Ihrer Kunden.
  3. Berichten Sie bei jedem Lauf zuerst die Abdeckung, dann Nennungs-, Quellen- und Empfehlungsquote.
  4. Zählen Sie die genannten Wettbewerber aus den Antworten aus, statt eine Liste vorzugeben.
  5. Wiederholen Sie den Lauf mit unveränderten Prompts und bewerten Sie erst Veränderungen, die über mehrere Läufe halten.

Häufig gestellte Fragen

Eine GEO-KPI misst, ob KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity eine Marke in ihren Antworten nennen, empfehlen oder als Quelle verlinken. Typische Kennzahlen sind Nennungsquote, Quellenquote und Anbieter-Anteil. Sie beziehen sich immer auf ein festes Set an Fragen, nicht auf eine Ranking-Position.

So oft, dass Sie mehrere Läufe mit denselben Fragen vergleichen können, bevor Sie entscheiden. In unseren zwei Läufen war nur eine von acht vergleichbaren Verlinkungen in beiden vorhanden. Ein monatlicher oder wöchentlicher Lauf mit unveränderten Prompts zeigt Trends, ein einzelner Lauf zeigt Zufall.

Teilweise. GA4 führt seit Mai 2026 den Kanal „AI Assistant“ für Besuche aus KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Claude. Klicks aus Googles AI Overviews und AI Mode zählt die Search Console im normalen Suchtyp „Web“ mit.

Die Abfragen selbst kosten wenig. Unser Lauf mit 15 Prompts in fünf Systemen kostete laut Kostenschätzung des Werkzeugs 3,48 US-Dollar. Der eigentliche Aufwand liegt in der Auswahl der Prompts und im Auszählen der Antworten.

Erheben Sie die Quellenquote immer neben der Nennungsquote. Bei uns lag die Nennungsquote in zwei Läufen bei null, die Quellenquote bei 6 und 11 %. Wer nur Nennungen zählt, übersieht, dass KI-Systeme die eigenen Inhalte schon als Beleg verwenden. Ob das bei anderen Websites genauso ist, zeigen zwei Läufe für eine einzige Website nicht.

Wann sich Unterstützung von außen lohnt

Ein GEO-Reporting aufzusetzen dauert bei uns 3 bis 4 Stunden, jede weitere Auswertung 1 bis 2 Stunden. Unterstützung lohnt sich, wenn:

  • niemand weiß, ob Ihre robots.txt die Such-Crawler von OpenAI, Anthropic und Perplexity überhaupt hereinlässt
  • Sie Kennzahlen aus einem GEO-Werkzeug bekommen, aber nicht wissen, worauf sie sich beziehen
  • Ihr Prompt-Set Fragen enthält, zu denen Sie keine Seite haben
  • Sie wissen wollen, ob aus KI-Verlinkungen Besuche werden, und das Tracking das nicht trennt

Wie Sie robots.txt, llms.txt und strukturierte Daten in TYPO3 einrichten, steht in unserem Ratgeber TYPO3 für die KI-Suche einrichten. Die Grundlagen der klassischen Suche stehen in SEO in TYPO3. Sichtbarkeit als laufende Leistung finden Sie auf unserer Seite Ladezeit und SEO.

Nächster Schritt

Erst messen, dann investieren.

Im kostenlosen TYPO3-Check sieht sich ein Entwickler Ihr System an, auch die Frage, ob KI-Crawler Ihre Seiten lesen dürfen. Sie bekommen einen Ampel-Report und kein Verkaufsgespräch.

Patrick Schatzschneider
  1. Sie nennen uns die URL und was Sie über Ihre KI-Sichtbarkeit wissen wollen
  2. Wir antworten in unter 3 Stunden ein Mensch, kein Ticketsystem
  3. Sie bekommen den Ampel-Report mit klarer Einschätzung, wo Sie stehen